Geschichtlicher und politischer Hintergrund

EINFÜHRUNG

Die Mongolei liegt zwischen den Großmächten Russland und China.

Als historisch-geographischer Begriff umfasst die Mongolei das Hochland zwischen dem Baikal in Sibirien und der Chinesischen Mauer, begrenzt im Westen durch das Altaigebirge und im Osten durch den Gebirgszug des Großen Chingan. Die Wüste Gobi bildet das Innere dieses Raumes und teilt ihn in eine nördliche – Äußere Mongolei – und die südliche – Innere Mongolei.

Politisch gliedert sich das Gebiet in die Mongolische Republik Mongolei und die Autonome Region Innere Mongolei in der Volksrepublik China.

Die Innere Mongolei gehört nicht zum chinesischen Kernland, sondern ist erst in der jüngeren Geschichte Chinas dem Reich einverleibt worden.

GESCHICHTE

Der Unterschied zwischen der Inneren und der Äußeren Mongolei ist historisch gewachsen. In der Qing Dynastie (1644-1911) wurde die Innere Mongolei in gewöhnliche chinesische Provinzen unterteilt, wohingegen die Äußere Mongolei weitestgehend in den Vor-Qing-Strukturen belassen wurde.

Noch vor 300 Jahren wurde es nicht von Han-Chinesen, sondern nur von Mongolen und anderen nicht-chinesischen Völkerschaften bewohnt. Mit den anderen autonomen Gebieten Chinas teilt es ein ähnliches Schicksal wie Tibet.

Hinzu kommt, dass viele der in den autonomen Gebieten siedelnden Völkerschaften zu beiden Seiten der Staatsgrenzen leben, was zusätzlichen Konfliktstoff birgt. Seit dem 18. Jh. strömen regelmäßig chinesische Siedler in das Gebiet und haben die Mongolen im eigenen „Autonomen Gebiet” zur kleinen Minderheit werden lassen.

Eine (Wieder-)Vereinigung der Inneren und Äußeren Mongolei zeichnet sich vorerst nicht ab. Die Situation ist wesentlich anders als in Deutschland, Korea oder Vietnam, deren Teilung unmittelbares Ergebnis eines historisch in frischer Erinnerung liegenden Krieges mit klarer politischer und geographischer Zäsurwirkung ist. Im Gegensatz zur Äußeren Mongolei ist die nationale Identität der Inneren Mongolei weitgehend zerstört.

Dennoch hat die Zentralregierung in Beijing Angst vor zu großer mongolischer Autonomie. So werden zwar die mongolische Sprache und Literatur im universitären Rahmen gefördert, aber einem Chor von mongolischen Sängern wird beispielsweise zur Auflage gemacht, auch chinesische Lieder zu singen bzw. Chinesen mitsingen zu lassen. Halbprivate Zusammenschlüsse mongolischer Intellektueller (Studenten, Schriftsteller und Wissenschaftler) werden von den Sicherheitsbehörden mit großem Argwohn beobachtet. Bei den Verhaftungswellen Ende 1991 wurden hauptsächlich Personen verhaftet, die in solchen Zusammenschlüssen organisiert waren. In der Kulturrevolution kam es zu schweren Verstößen gegen die regionale Souveränität des „Autonomen Gebiets Innere Mongolei”.

Offiziell sind diese Vorgänge nie kommentiert worden, lediglich die Karten wiesen zu Anfang der 1970er Jahre plötzlich neue Grenzverläufe aus.